Vom Mittelalter bis in die heutige Zeit.



1. Der Fall – Suzanne Clift

Suzanne Clift, eine 22jährige Amerikanerin, Tochter einer angesehenen Bostoner Familie, Nichte des berühmten Filmschauspielers Montgomery Clift, die am 3. Oktober 1962 ihren 27jährigen italienischen Geliebten Giampiero Brentani, einen schweizerisch-italienischen Elektroniker, im Schlafzimmer ermordete. 

Sie schoß ihm in den Kopf und kastriert ihn, laut einem Bericht vom Jahr 2000 im ''The Boston Globe'', anschließend. In den Zeitungsberichten der damaligen Zeit wurde nicht erwähnt, daß er kastriert worden ist. Sie blieb 24 Stunden lang neben der Leiche, dann ergriff sie die Flucht, flog nach Südamerika, kehrte jedoch bald darauf wieder zurück und wurde von der Polizei in einem Hotelzimmer verhaftet.
Über das Motiv ihrer Tat gab sie keine Auskunft. Ihre einzige Antwort war: „Wozu soll man über verschüttete Milch weinen?" Suzanne Clift wurde psychiatriert, wobei festgestellt wurde, dass sie auf Grund ihrer unglücklichen, lieblosen Jugend nicht völlig zurechnungsfähig genannt werden konnte.
Während der Untersuchungshaft entdeckte man, dass sie schwanger war und ein Kind von Brentani erwartete. Man bot ihr an, sich schuldig des Totschlags zu bekennen, was sie auch tat. Die Richter nahmen nun daraufhin Bezug, dass sich Brentani ihr ständig gegenüber äußerte, er würde sie nie heiraten. Sie war aber "hoffnungslos verliebt" und wäre stolz gewesen, ein Kind von ihm zu bekommen. "Ich habe es ihm nie gesagt, weil ich seine Gefühle kannte. Er sagte mir, falls ich schwanger werden würde, müsste ich eine Abtreibung vornehmen lassen...
Sie konnte den Gerichtssaal jedoch als freie Person verlassen. Allerdings wurde sie zehn Jahre lang unter Beobachtung am Mental Health Center gestellt und erhielt außerdem zehn Jahren Haft auf Bewährung.
Im Juni gebar sie ein Mädchen. Suzanne verbrachte drei Jahre in der psychiatrischen Klinik, bevor sie entlassen wurde.

Quellen: - Verbrechen von A-Z (Hubert Gundolf) Ausgabe 1966 – S. 82 - sowie weitere Ergänzungen zu diesem Fall aus eigenem Archiv (erichs-kriminalarchiv.com)



2. Der Fall - John Spenkelink

John Spenkelink, am 29.März 1949 in  Le  Mars, Iowa, geboren, wurde wegen mehrfachen bewaffneten Raubüberfalls unter anderem auf ein Fastfoodrestaurant und fünf Tankstellen zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Die Strafe hätte frühestens nach fünf Jahren auf Bewährung ausgesetzt werden können.

Gleich zu Beginn seiner Haftverbüßung im Oktober des Jahres 1972 gelang ihm der Ausbruch aus einem Gefängnis in Kalifornien. Während seiner Flucht lernte er den vorbestraften Joseph Szymankiewicz kennen. Nach Aussage von Spenkelink tyrannisierte Szymankiewicz ihn so sehr, dass er sich nicht mehr anders zu helfen wußte und Joseph Szymankiewicz am 3. Februar 1973 von hinten erschoß. Neun Monate später wurde er wegen dieses Mordes in Florida vor Gericht gestellt.
Während des Prozesses verzichtete er auf das Angebot des Staatsanwaltes, sich als schuldig des "Mordes zweiten Grades" zu bekennen. Ein solches Schuldanerkenntnis hätte ihn vor der Todesstrafe bewahrt. Am 20. Dezember 1973 wurde Spenkelink des Mordes für schuldig gesprochen und zum Tode verurteilt.
Fünfeinhalb Jahre später, am 25. Mai 1979, wurde das Todesurteil gegen John Spenkelink auf dem Elektrischen Stuhl vollstreckt. Laut Aussagen von Gefängnisinsassen habe sich Spenkelink eine Viertelstunde lang gewehrt, als man ihm den Kopf und eine Wade unter Gewaltanwendung rasierte. Dabei soll er immer wieder gerufen haben: „Das ist Mord! Das ist Mord, was Ihr hier macht!"

Quellen: - Executed – Die Geschichte der Todesstrafe in Zahlen (Michael Kahr) Ausgabe 2002 – S. 274



3. Der Fall - Martha Wise

Martha Wise war eine Frau aus Ohio die in den 1920er Jahren ihre gesamten Familienangehörigen vergiftete. Danach soll sie geäußert haben: "Der einzige Spaß, den ich jemals hatte, war, als ich die Menschen tötete."
Serienmörder sind eher Männer mit überdurchschnittlicher Intelligenz und ihre Motive sind meistens sexuelle und sadistisch. Dazu bemerkt der forensische Psychiater Dr. James Knoll, dass: "...die Forschungsergebnisse legen nahe, dass es ungewöhnlich selten bei Frauen vorkommt, dass sie zu Serienkillern werden. Im Falle der Frauen liegt das primäre Motiv vorrangig in der Wertegewinnung. Ein außerordentlich geringes Bestreben obliegt Frauen, mehrere Opfer aus Rache zu töten. Aber genau das tat Martha Wise.
Weibliche Serienmörder gehen gezielt vor, sind vorsichtig und schlau. Sie planen ihre Morde die sie ausführen wollen sehr bewusst und sorgfältig. Blutige Tatabläufe oder Amokläufe sind sehr selten, untypisch für Frauen und ihnen meist zu abstoßend. Sie töten durch eine andere Vorgehensweise, z.Bsp. durch vergiftete Lebensmittel oder inszenierte Unfälle im Haushalt. Das ist die passende Beschreibung, wie Martha Wise, deren gesamtes Leben immer ein trauriges gewesen ist, rund um die Stadt Hardscrabble, Ohio, ihre Verbrechen durchgeführt hat.
Geboren 1884 in einer armen Bauernfamilie war Martha Hasel schlecht von der Natur begünstigt. Sie hatte ein verkniffenes Gesicht und eingefallene Augen. Ihre Gene und auch die Erziehung gaben ihr wenig von Charme oder Intelligenz.
Die Lehrer fand sie alle langweilig. Ständig musste sie mit Beschwerden zum Arzt , doch der konnte sie weder heilen noch irgend etwas finden um ihr Wohlbefinden zu verbessern Sie hatte sich zu einer in sich gekehrten, trübsinnigen Frau entwickelt, mit wenig Hoffnung einen Ehemann zu finden, geschweige denn einen guten. Sie war also auf dem besten Wege eine alte Jungfer zu werden.

Als im Jahre 1906, das ist in Hardscrabble eine urige Tradition, das jährliche Fest stattfand, bei dem junge Damen ihre kulinarischen Talente zeigen können und das größtenteils von heiratswilligen Männern besucht wurde, fanden Martha's Hühnchen-Sandwiches großen Beifall. Grund genug, für Albert Wise ihre eingefallenen Augen und sein fortgeschrittenes Alter zu übersehen. Er kam auf den Hof der Hasels und hielt um ihre Hand an. Nach der Hochzeit endet das Märchen für den mürrischen Bauern und das gemütliche Mädchen. Die Ehe entpuppt sich alsbald zur Katastrophe. Sie bereute schnell die Entscheidung und wünschte sich insgeheim, sie wäre bei ihrer früheren Altjüngferlichkeit geblieben.
Albert, etwa 20 Jahre älter als seine neue Braut, behandelte sie wie etwas zwischen Knecht und Lasttier, auch nachdem sie schwanger wurde. "Ich musste Pflügen , Hacken und Backen", wird sie Jahre später wieder sagen. Es ist unbekannt, ob die Arbeitslast etwas damit zu tun hatte, aber das erste Baby das sie namens Albert, nach seinem Vater benannte, starb bald nach der Geburt.
Vier weitere Kinder folgten - Lester, Everett, Gertrude und Kenneth -, und alle überlebten, aber sie waren wenig Trost für ihre Mutter. Sie musste immer noch auf den Feldern pflügen und die Jauche der Schweine beseitigen, immer dem Risiko ausgesetzt von ihrem Mann verprügelt zu werden.
Die Qual endete im Jahr 1923, als Albert Wise plötzlich starb. Sich mit vier Kindern ausreichend zu ernähren und einen Bauernhof zu kümmern war schwer. Deshalb begann Martha, inzwischen 40 Jahre alt, mit der Suche nach einem neuen Mann. Den fand sie in Walter Johns, einem jüngeren Mann und beide schienen einen gewissen Erfolg zu haben, denn sie konnten den Bauernhof halten. Nur Martha's Mutter und der Rest ihrer Familie wollten von Marthas neuem Mann nichts wissen und lehnten ihn ab. Es entwickelte sich ein erbitterter Streit zwischen Martha und ihrer 72jährigen Mutter die darauf bestanden, dass ihre Tochter ihn fallen lassen müsse.
Martha Wise zeigte sich widerwillig gebeugt gegenüber ihrer Mutter und heuchelte Gehorsam. Zum Thanksgiving-Dinner erschien sie bei ihren Eltern allein. In dieser Nacht klagten Hasel und einige andere Mitglieder der Familie über starke Magenbeschwerden. Jeder fühlte sich bald besser, mit Ausnahme der alten Hasel, deren Zustand sich in den folgenden Wochen immer mehr verschlechterte. Als sie am am 13. Dezember starb, diagnostizierten die Ärzte eine Entzündungen des Magens. Bei der öffentlichen Beerdigung jammerte Martha Wise herzzerreißend als ihre Mutter zur Ruhe gebettet wurde.
Am Thanksgiving-Day 1924, lud Martha ihre anderen Verwandten zum Abendessen ein. Mara Bovsun erzählte, dass bald danach Sophie Hasel, genau wie damals Martha's Mutter und einige andere Mitglieder der Familie krank wurden. Auch sie beklagten sich über Magenbeschwerden. Innerhalb eines Monats war auch Sophie tot, was die Ärzte mit Magenentzündung begründeten.
Nun griffen Krankheit und Tod um sich. Nach der Silvesterfeier 1925 bekamen Martha Wises Onkel Fred Gienke, seine Frau Lillian, und sechs ihrer Kinder im Alter von 9 bis 25 ganz schlimme Bauchschmerzen. Mehrere landeten daraufhin im Krankenhaus. Tante Lillian starb Anfang Januar, Onkel Fred am 9. Februar. Aber auch diese Todesfälle wurden ärztlicherseits mit Magenentzündungen, vielleicht auch mit Lebensmittelvergiftung erklärt.

Martha Wise beim Prozess 1925 und 79jährig im Jahre 1962


Erst nach dieser Reihe von mysteriösen Entzündungen in und um Hardscrabble, entschied der Sheriff, dass es an der Zeit sei, endlich mal diese Familientragödie zu untersuchen. Martha's Pech, so viele Familienmitglieder mit ähnlichen Beschwerden innerhalb so kurzer Zeit zu verlieren, weckte die Aufmerksamkeit des Gesetzes. Nach einigem herumschnüffeln in örtlichen Drogerien fand Sheriff Fred Roshon heraus, dass Martha Wise eine große Mengen Arsen gekauft hatte. Nun wurde es Zeit für ein Schwätzchen.
Behörden beschlossen, eine Autopsie von Lillian Gienke durchführen. Ihr Magen und Darm war mit diesem Gift durchtränkt. Der Sheriff Fred Roshon vom Medina County verhörte Martha Wise. Ethel Roshon, die Ehefrau des Sheriff's , die ebenfalls anwesend war und spielte eine wichtige Rolle bei der Vernehmung. Wise hielt stundenlang an der Aussage fest, daß sie nichts wusste und bestand darauf, dass sie das Arsen gekauft hatte, um Ratten zu töten. Sie fuhr fort alles zu leugnen. Doch plötzlich fing es an zu regnen. Beim Anhören der trommelnden Regentropfen begann Ethel Roshon mit einer neuen Verhörtaktik. "Hören Sie, Martha," sagte die Frau des Sheriff leise. "Der Regen - es ist die Stimme Gottes ... er sagt, 'du hast, du hast, du hast'." Martha Wise hörte nur ein paar Augenblicke auf die Regentropfen und ihr Wille war gebrochen. Erst schrie sie auf, dann kam das Geständnis. "Oh Gott, ja, ich tat es. Der Teufel sprach zu mir."
Sie räumte ein, dass sie zuerst ihrer Mutter das Trinkwasser am Thanksgiving Day mit Arsen versetzt hatte. Nach dem Tod ihrer Mutter, gab sie Arsen in den Eimer mit Wasser im Gienke Haushalt. Insgesamt gab sie zu 17 Personen vergiftet zu haben.
Eine Zeitungen titelte daraufhin, die Morde wären das Ergebnis von Wises "Begeisterung für Beerdigungen" oder die "Borgia of America". Aber ein paar Tage später kam ein anderes eher banales Motiv zum Vorschein. Es war in der Gemeinde bekannt geworden, dass auch Sophie Hasel den neuen Mann von Martha nie mochte und ihn immer abgelehnt hatte. Aber nur wenige wussten, dass die alte Hasel stets gedroht hatte, ihre Tochter zu verleugnen, wenn sie nicht diese Affäre mit Walter Johns beenden würde.
Der Prozess zog eine Menge Aufmerksamkeit auf sich. Martha Wise hatte sich am 4. Mai 1925 vor Gericht nur für den Mord an Lillian Gienke zu verantworten. Drei der Gienke Kinder waren durch das Gift gelähmt. Man brachte sie auf einer Bahre in den Gerichtssaal wo sie mühsam ihre Aussage machten. Martha's eigener Sohn Lester, 14, schrie seine Mutter vor Gericht an, dass er gehört habe wie sie und ihr Freund über Gift sprachen. Lester führte weiter aus, dass sie all ihre Kinder angewiesen hätte, nie aus dem Wassereimer in Gienkes Haus zu trinken. Marthas Anwälte versuchten vergeblich den Fall als Taten einer Wahnsinnigen hinzustellen, aber die Jury ließ sich nicht ablenken und brauchte weniger als eine Stunde, um ihr „schuldig des Mordes ersten Grades“ auszusprechen. Sie umgingen die Todesstrafe, übten Barmherzigkeit und verurteilten Martha Wise zu einer lebenslangen Haftstrafe.
Als diese das Urteil hörte begann sie sofort an zu schimpfen. Es wäre nicht der Teufel gewesen,sondern ihr Freund, der sie davon überzeugt hätte, Mord an ihrer Familie zu begehen. Aber Walter Johns stritt alles ab, einschließlich etwaiger romantischer Interessen an der verrückten Witwe. Er sei nur mit ihr zusammen gewesen, weil er sie bemitleidete. Die Polizei verhaftete ihn zwar, konnte aber keine Beweise für ihre Schuldbehauptung erbringen, dass Johns in irgendeiner Weise an den Morden tatbeteiligt gewesen wäre. Sie mussten ihn zwangsläufig wieder freilassen.
Das Leben im Gefängnis verlief ruhig für Martha Wise. Sie war eine unauffällige Strafgefangene und übernahm gerne herkömmliche Aufgaben. Sie kümmerte sich um die Wäsche und pflegte die Hühner der Haftanstalt. Im Jahr 1962 wurde die Haftstrafe zur Bewährung ausgesetzt, aber die kränkliche 79jährige kannte keinen Platz, zu dem sie hätte gehen können um ihren Lebensrest zu verbringen. Nach drei Tagen der Freiheit, kehrte sie ins Gefängnis zurück.

Dort wartete die „Beerdigungssüchtige“ noch ein Jahrzehnt auf eine weitere düstere Beerdigung - ihre eigene. Die kam am 28. Juni 1971.



4. Der Fall - Edwin Albert Bush

Edwin Albert Bush war ein 21jähriger englischer Mörder (Sohn eines pakistanischen Vaters und einer englischen Mutter), der im Frühjahr 1961 wegen Mordes an der 59jährigen Elsie May Batten, Besitzerin eines Londoner Antiquitätengeschäftes, zum Tode durch den Strang verurteilt wurde. Die Fahndung nach Bush, von dem es nur vage Personenbeschreibungen gab, wäre höchstwahrscheinlich im Sande verlaufen, hätte Scotland Yard sich nicht zum erstenmal in seiner Geschichte des amerikanischen Identi-Kit-Systems bedient (das Sheriff Hugh Mac-Donald aus Los Angeles 1960 entwickelt hatte). 

Man fertigte mit Hilfe des neuen Systems „Phantombilder" (polizeiliches Hilfsmittel zur Ermittlung des Straftäters) an, die letzten Endes zum Erfolg führten. Ein Polizist erkannte Bush auf der Straße und nahm ihn fest. Den Mord hatte der junge Mörder begangen, um mit dem bei dem Raubüberfall auf die Antiquitätenhändlerin erbeuteten Geld seiner Braut einen Verlobungsring kaufen zu können. Bush wurde am 6. Juli 1961 hingerichtet.

Quellen: Verbrecher von A-Z (Hubert Gundolf) Ausgabe 1966 – Seite 50

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